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Dienstag, 26. Februar 2013

Quatsch mit Soße? | Ein ganz scharfer Selbstversuch in Sachen 'Teinahme an Viralmarketing-Gags'

Prolog

Ich liebe Ketchup und all seine Derivate. Soßen überhaupt sind für mich das Größte. Ich esse gerne richtig gute Sachen, aber zur Abwechslung macht mich ein Teller mit irgendeiner Abwandlung der gebackenen Kartoffelspalte und einer guten, süßsauren Tomatenpaste richtig glücklich. 

Außerdem stehe ich auf Chili con Carne. Ich koche und esse es gerne, in den verschiedensten Variationen. Und seit mir mal ein fast zwei Meter großer Mexikaner nach einer fetten Chili-Orgie gesagt hat, dass mein Chili das Beste war, was er jemals östlich von Cancún gegessen hat, bilde ich mir ein, sowas wie ein Fachmann zu sein.

Irgendwann im Januar 2013


Ampelschaltung? Nicht ganz...
Ich beobachte wieder mal den rechten Rand der facebook Oberfläche. Nein, nicht irgendwelche Fascho-Aktionen, ich meine den physikalisch rechten Rand, an dem die ganze Werbung auftaucht. Zielgruppenorientiert, sagt facebook. Überwiegend merkwürdig herausgefiltert, sag ich. Mit dem Finger am virtuellen Abzug bin ich bereit, die x-te 'wie baue ich mehr Muskelmasse in vier Stunden' Werbung mit der Bemerkung uninteressant auszublenden. Warum tue ich das eigentlich, denke ich noch, ich muss denen doch eigentlich nicht noch helfen, ihre blöden Werbe-Filter zu optimieren....und wende mich den stellenweise nicht minder blödsinnigen Statusmeldungen der virtuellen Restgemeinde zu. Im rechten Augenwinkel taucht genau in diesem Moment eine rot-grün-gelbe Kombination auf, die meine Aufmerksamkeit doch wieder nach rechts lenkt. Wieder auf den Ampel-Trick reingefallen...funktioniert bei Männern immer ;-)

Bruchteile von Sekunden später ertappe ich mich dabei, wie ich auf der Seite des Ketchup-Giganten HEINZ  ein Mini-Formular ausfülle und mich in zwei Sätzen als potentiellen, und vor allem bestens medial vernetzten Hot-Sauce-Tester anpreise...

18. Februar 2013

Patrick Weiss schreibt mir, dass ich die Jury mit meiner (Zwei-Zeilen-)Bewerbung überzeugt habe und ich deswegen einer von 100 Testern sein werde. Ich schmunzle ein wenig und denke, wenn nur 90 Leute was geschrieben haben, war das vielleicht nicht wirklich ein Kunststück. Später lese ich bei facebook, dass es doch etwa 3000 Leute waren, die die Soße...ääähhh, sorry....Sauce zum Testen haben wollten.

22. Februar 2013

Mein neuer Freund Patrick Weiss schreibt mir wieder und möchte mir vorab ein Mini-Rezeptbuch mit jeweils einem Kochvorschlag zu jeder Hot Sauce zukommen lassen. Das angehängte PDF wird in der Inbox zwar angezeigt, ist aber in der Mail nirgends zu finden. Patrick bemerkt es innerhalb von zehn Minuten selbst und legt mit einem Hauch von Selbstironie nach. Ich schmunzele, offensichtlich sind die am anderen Ende der virtuellen Leitung von der entspannten Sorte.
Dann fällt mir ein, dass ich nie nach Rezept koche. Aber man kann sich ja Inspiration holen.

23. Februar 2013


Das Paket ist da :-) Es ist klein und handlich, und irgendwie genau, wie ich es erwartet hatte. Zu meiner Freude stelle ich nach dem Öffnen fest, dass nicht nur die Hot Sauces nebst Fragebogen enthalten sind, sondern auch ein rustikales Gemüsemesser mit Holzgriff und eingebranntem HEINZ Logo. Da fühlt sich der Grillmeister sofort angesprochen.

Flaschengröße und Design der Hot Sauces sind dem allgemeinen HEINZ-Produktstil angepasst, lassen aber auch keinen Zweifel daran, in welchem Terrain man hier einen Teil des Kuchens abschneiden möchte. Der klassische Schärfelieferant zum Nachwürzen ist ja das weit verbreitete Tabasco, und da geht hier schon rein optisch die Reise hin. Das Etikett der Hot Sauces wirkt aber durch den schwarzen Hintergrund etwas edler...aber das ist reine Optik. Zusätzlich sind die Schärfegrade mit einer Chilischoten-Skala von eins bis drei vermerkt (medium - hot - very hot)

16.23h

Ich bin neugierig, ein Schnelltest muss her. Zu diesem Zweck habe ich mir Tomatensaft vom Einkauf mitgebracht. Ja, ich bekenne mich als Tomatensaft-mit-Gewürzen-Konsument, nicht nur im Flugzeug, sondern auch zuhause.

(Selbst-)Versuchsaufbau
Die natürlich streng wissenschaftlich ausgerichtete Versuchsanordnung seht ihr hier rechts. Der Vierte Becher zur Rechten enthält Buttermilch, meine persönliche Exit-Strategie, falls die Zunge in Flammen aufgeht. Ich nehme es vorweg: Es passiert mir kein Schärfe-Unfall. Ich beschließe, mich durch die Schärfegrade nach oben zu arbeiten und fange mit Medium an...

Chipotle & Garlic (rot) | medium

Die Konsistenz der Soße ist sehr sämig, dickflüssiger als bei der Tabasco-Konkurrenz. Die Farbe ist zwar mit einem tiefen rotbraunen Ton ähnlich, aber man erkennt deutlich Zutaten- und Gewürzstücke. Das macht einen sehr guten Eindruck und wirkt ein bisschen wie homemade. Nach dem Öffnen des Klappdeckels, versuch ich zunächst den Dosierungskopf zu verstehen. Ich entschließe mich, es einfach auszuprobieren. Einfaches Kippen reicht jedenfalls nicht, es kommt nur sehr wenig aus der kleinen Öffnung. Ich werde mutiger und setze zu einem klassischen Maggi-Flaschen-Dreifach-Schuss an, und siehe da, dafür ist diese Öffnung gemacht. Drei ordentliche Spritzer landen im Tomatensaft, da mir völlig unklar ist, in welchen Schärfewelten ich mich bewege, rühre ich erstmal gründlich um.

Beim ersten Schluck ist das Aroma kaum wahrnehmbar, deswegen schiebe ich weitere vier Spritzer hinterher. Erneut gut umgerührt entfaltet sich jetzt ein mild-rauchiges Aroma, das ganz eindeutig nach verschiedenen Barbecue-Anwendungen schreit. Die Schärfe ist dezent und sehr angemessen, von der Knoblauch-Note ist allerdings kaum etwas zu spüren. Macht aber nix, vielleicht rundet es das positive Gesamtbild einfach ab, ohne auffällig zu wirken. Das langt auch völlig.

Green Jalapeno (grün) | hot

Variation Grün ist noch zähflüssiger als Rot, und macht bereits rein optisch einen fett fruchtigen Eindruck. Leicht angeheizt durch den mittelfeurigen aber vollen Geschmack, der immer noch auf meine Rezeptoren liegt, lange ich hier gleich mit vier ordentlichen Spritzern zu. Sofort nehme ich das Aroma schon über die Luft wahr, ein sehr fruchtiger Hauch breitet sich aus.

Im Geschmack bestätigt sich der Eindruck, ein sehr üppiges Aroma, das den typischen Jalapeno-Geschmack authentisch wiedergibt, damit aber auch in Mahlzeiten als Kochzutat sehr bestimmend sein kann. Was den Schärfegrad angeht, stelle ich hier keinen sehr deutlichen Unterschied zu unserem roten Kandidaten fest. Ich hab sogar nochmal zwei ordentliche Spritzer nachgeladen, die Steigerung in der Schärfe ist minimal.

Yellow Habanero (gelb) | very hot

Ich bin mittlerweile ein wenig im Chili-Rausch, fange an, mit spanischem Akzent zu denken und genehmige mir drei fette Spritzer des intensiv gelben Testkandidaten. Wieder ist sofort ein sehr intensives Aroma zu riechen. Ich muss gestehen, dass ich Habaneros noch nie zum Kochen verwendet habe, weil ich immer wieder gehört habe, wie schnell man sich da mengenmäßig vertun kann.

Die Habaneros (in der zähflüssigen Hot Sauce als kleine Fadenstücke zu erkennen) geben ordentlich Gas. Schon beim ersten Schluck aus dem Testbecher merke ich die Schärfe auf Lippen und Zunge, aber gleichzeitg stellt sich ein sehr "gemüsiges" Aroma ein. Als Kurzbeschreibung könnte man vielleicht sagen, wir haben es hier mit einer durchgeknallten Paprika zu tun. Dieses Aroma kann ich mir auch sehr gut in asiatischen Gerichten vorstellen, und es kommt wahrscheinlich nicht von ungefähr, dass es im Mini-Rezeptheft von HEINZ einen Kochvorschlag in genau diese Richtung gibt.

24. Februar 2013

Ich muss unbedingt eines der Rezepte ausprobieren, entscheide mich aus pragmatischen Gründen für das gerade beschriebene Wok-Gericht aus dem von HEINZ mitgelieferten Rezeptbuch. Da ich sonst nie nach Rezept koche, strengt mich selbst dieses simple Gericht erstmal ungewöhnlich an. Und das, obwohl die beste Frau der Welt bereits die ungeliebte Vorarbeit geleistet hat, sämtliche gemüsigen Zutaten in sehr kleine Stücke zu schneiden, die selbst den Ansprüchen des Herrn Rach genügen dürften. Und der asiatischen Küche sowieso.

Das Fleisch bereite ich getrennt zu, da die beste Tochter der Welt sich seit einiger Zeit konsequent vegetarisch ernährt. Über den Lese-Schnippel-Koordinationskonflikt hinweg, vergesse ich tatsächlich eine Zutat, dafür geraten mir viel zu viele Wok-Nudeln in die wokähnliche Riesenpfanne. Selbst leicht gesalzen schmeckt mir das erstmal nach nix, deswegen lange ich zum Schluss ordentlich mit der very hot Yellow Habanero zu. Die verbessert die Lage zwar und gibt dem ganzen ordentlich Dampf unter die Haube, trotzdem fehlt mir was. Na klar, kein Asiate würde sowas jemals völlig ohne Sojasoße zubereiten, also gebe ich hier von der milden Sorte etwas dazu und bringe (keineswegs restlos überzeugt) die ganze Sache für meine beiden Damen auf den Tisch.

Nach Zugabe von weiterer bereitgestellte Sojasoße (jetzt die scharfe Sorte), wird das Gericht von den Anwesenden Personen zwischen okay bis lecker einsortiert. Kein kulinarisches Mega-Highlight, aber ein schnelles Gericht, dass wegen der Woknudeln einen Sättigungsfaktor besitzt, ohne schwer im Magen zu liegen. Aber mir wird auch klar, dass man die Rezeptvorschläge in jedem Fall nur als Basis sehen darf, auf der man seinen eigenen Verfeinerungen hinzufügen muss. Vielleicht einfach mehr Hot Sauce. Demnächst wird noch die scharfe Suppe ausprobiert...

Fazit

HEINZ hat nicht den Fehler gemacht, eine lediglich verbesserte Kopie von irgendetwas auf den Markt zu bringen. Stattdessen werden sehr aromatische Chili-Würzsoßen geboten, bei denen man ordentlich zulangen kann, auch wenn der Unterschied in den Schärfestufen medium und hot nicht wirklich groß ist. Die Hot Sauces sind  eine Zutat zum Nachwürzen und genau so sollte man sie auch behandeln, so kann beispielsweise jeder Gast bei einem üppigen Chili con Carne Abend nach eigenen Gelüsten nachschärfen...dem Feuer sind da keine Grenzen gesetzt. Den Dosierschwung muss man erstmal selber rausfinden, aber wenn man's hat, ist es einfacher in der Handhabung als z.B. Tabasco. Ich selbst werde die drei Sorten sicherlich im Sommer auch mal in verschieden Dip- und Barbecue-Soßen verarbeiten, da geht bestimmt noch was.

Die Aktion selber finde ich sehr gelungen. Im Gegensatz zu vielen "viralen" Social Media Aktionen der letzten  Zeit, hat HEINZ sich hier eine ganz einfache, wenig aufwendige Sache ohne die übliche Hysterie ausgedacht. Zuletzt setzten einige Unternehmen auf das virtuelle Vorführen von Menschen, das kam bei vielen überhaupt nicht gut an. Bei mir auch nicht.

Vielen Dank, HEINZ, dass du mich bedacht hast...und herzlichen Glückwunsch zu einem gelungenem Produkt :-)


Epilog


  • Laut Wikipedia verkauft die H.J.Heinz Company ihre Produkte unter den Marken HEINZ, HP und Lea&Perrins in über 50 Ländern dieser Erde. Das bekannteste und mit älteste Produkt ist der HEINZ Tomato Ketchup (1876)
  • Der Begriff Ketchup ist am wahrscheinlichsten vom indonesischen kecap abgeleitet, das zunächst mal nichts weiter als Soße bedeutet. In der indonesischen Soße spielen allerdings Tomaten keine Rolle.
  • Die Basis für die ersten Ketchups ist vermutlich eine salzige Fischsoße (ähnlich der Sojasoße) gewesen.
  • In vielen Ländern Asiens wird Ketchup wegen der idealen Mischung der Zutaten als Basis für diverse Speisesoßen benutzt. Die Auswahl wird hier auch um ein mit lokalen Zutaten modifiziertes Angebot erweitert, so gibt es beispielsweise auf den Philippinen mit seinen gefühlten 100 Bananensorten den sehr beliebten Banana Catsup....der zwar rotbraun ist, aber keinerlei Tomaten enthält.
  • Ich habe keine Ahnung, warum ich hier von Ketchup schreibe, denn es geht ja eigentlich um Würzsoßen aus Chilischoten.
  • Ich weiss bis heute nicht, ob es Patrick Weiss wirklich gibt.

Freitag, 14. Dezember 2012

Life according to Momo | Aus dem Tagebuch einer vierbeinigen Diva

Ich, auf meinem Thron
Gestatten - ich bin Momo, jedenfalls nennen mich die Zweibeiner so. Meinen kätzischen Namen könnten sie eh nicht aussprechen, deswegen erwähne ich ihn auch gar nicht. Ich bin etwa drei Jahre alt und komme vom Land, habe mich aber dazu entschlossen, in der Stadt zu leben. Zu Hause sind wir vier, manchmal auch fünf, oder sogar noch mehr. Dazu später mehr. Meine Haupbeschäftigungen sind fressen, schlafen, fressen, jagen, fressen....in exakt der Reihenfolge, oder auch umgekehrt.

Ich habe mir ein Reich ausgesucht, dass sehr viele Vorteile bietet. Meine Mama wollte damals noch, dass ich mit ihr über die Felder ziehe, aber ich hab ihr schnell verklickert, dass daraus nichts wird. Ich hab früh gewusst, dass in der Stadt ein Ort auf mich wartet, der sehr viele Vorteile bietet (inkl. Vollversorgung). Die Zweibeiner, die mich in mein Schloss geholt haben, sind eigentlich okay. Manchmal vielleicht ein bisschen komisch, aber das sagen ja alle Kollegen über ihre Bediensteten, insofern ist das nicht ungewöhnlich.

Drei Zweibeiner sind jeden Tag da. Die Kleine hat keine festen Zeiten, was mich maßlos irritiert. Die taucht plötzlich aus dem Nichts auf und verschwindet manchmal genauso schnell wieder, wie sie erschienen ist. Sie hätte das Zeug zur Katze. Und dann drückt sie mich zwischendurch immer ganz fest, ich glaub, die mag mich irgendwie. Manchmal bringt sie Einen mit, der mit mir spielt und tobt, was cool ist, denn mir ist beim Herrschen häufig langweilig.

Die Große ist total lieb, aber sie will immer kuscheln. Ich tue dann so, als würde es mir gefallen, aber in Wahrheit ist es total langweilig. Manchmal rennt sie auch hinter mir her, das ist viel cooler, schließlich bin ich Teenager...und auf's Sofa legen kann ich mich ja später immer noch.

Der Alte ist echt schwierig. Er hat feste Vorstellungen davon, wie das hier mit unserer Beziehung läuft, und hat als einziger noch nicht vollständig akzeptiert, dass ich hier der Chef bin. Okay, er ist ein prima Dosenöffner, aber er meckert auch viel rum, z.B. wenn ich mal auf meiner Arbeitsplatte in meiner Küche nachschaue, ob er da nicht was zu fressen vergessen hat. Hat er nämlich häufig, weil er gelegentlich mal verdrängt, dass ich einen Anspruch auf so Sachen wie Fleischsoßenreste habe. Aber ich bin zuversichtlich, den kriege ich noch hin, er ist ja lernfähig.

Alles in allem habe ich gute Angestellte, die ja sogar in meinem Haus wohnen dürfen. Und ganz ehrlich....ohne sie wäre mir fürchterlich langweilig. Aber ich werde den Teufel tun und ihnen das stecken, die werden sonst noch verwöhnt. Allerdings haben sie komischerweise viele verschiedene Begriffe für Dinge, die alle die gleiche Funktion ausüben. So sagen sie so Sachen wie Sofa, Sideboard, Stuhl, Sessel, Hocker, Umzugskarton, Kratzbaum oder Wohnzimmertisch zu allem, was eigentlich ein Bett ist. Da sind die irgendwie merkwürdig, ich glaube aber, sie wollen einfach ihren überlegenen Intellekt zur Schau stellen. Ich lach mich tot, hahahahahaha. Der Alte hat ja noch nicht einmal geschnallt, dass ich ihn darauf dressiert habe, mir spät abends noch einen Snack zur Verfügung zu stellen, obwohl ich eigentlich nix mehr kriege (was ne Sauerei ist). Der merkt echt nicht viel...

Übrigens scheinen die Zweibeiner auch ganz komische Ängste zu haben. Ich versteh das gar nicht, aber irgendwie haben sie nichts übrig für Geschenke, die ich ihnen mit nach Hause bringe. Dabei gibt es doch nichts Besseres, als dass man kleine Flug- und Bodenwesen (ich nenn sie jetzt mal zärtlich Opfer) mitgebracht bekommt. Und schließlich sind die ja auch noch am Leben, wenn ich damit heimkomme, ich mach die ja nicht sofort platt. Da ist es schon etwas enttäuschend, denn das mache ich ja nur aus Zuneigung, echt jetzt. Ich hab euch doch schon irgendwie lieb, aber ich weiß nicht, wie ich es sonst noch zeigen sollte. Daran müssen wir wirklich noch arbeiten.

Opfer
Opfer gibt es übrigens reichlich in der Umgebung. Die meisten krabbeln am Boden rum und denken, sie wären sicher, weil die Kollegen wirklich sehr faul sind. Seit ich da bin, weht hier ein anderer Wind. Ich hab denen erstmal gezeigt, wie wir Landeier das machen. Die Anderen sind dann nach Hause gegangen, sich 'ne Dose aufmachen lassen. Faules Pack. Nun gut, so bleiben mehr Opfer für mich.

Die Zweibeiner haben auch Freunde, von denen einige immer die anderen, kläffenden Vierbeiner mitbringen; ich nenne sie jetzt mal liebevoll Unterwesen. Die Unterwesen wollen immer spielen. Das ist prinzipiell eine gute Sache, aber diese Vollpfosten wissen einfach nicht, wann mal Schluss ist. Das nervt dann gewaltig. Okay, aber die Aufmerksamkeit ist meistens das Entgegenkommen wert.

Auf beiden Seiten wohnen auch noch Unterwesen nebenan. Der große Blonde ist total cool und interessiert sich nicht besonders für mich....was ich gelegentlich auch nicht gut finde. Der kleine Schwarze hat nicht alle Latten am Zaun. Zuerst dachte ich, es läge an der natürlichen Antipathie zwischen unseren Völkern, aber jetzt weiß ich, dass der Chaot wirklich alles ankläfft, was sich bewegt. Oder auch nicht bewegt, je nachdem. Das Teil gehört in Therapie, echt jetzt.

Apropos Nachbarn: In meiner Hood leben auch jede Menge anderer Homies. Digger & Digger von zwei Eingängen weiter sind sehr launisch und auch schon älter, aber wollen meistens keinen Stress, deswegen kommen wir klar. Ihr Zweibeiner ist so dämlich, dass der tatsächlich ein Loch in seine Terrassentür gesägt hat, so dass mich ich ab und zu mal über den örtlichen Napf hermache. Geile Sache. Mit Bro & Sis von der Straße vorne ist das schon schwieriger. Ich dachte, die fänden vielleicht die "same generation, let's play" Nummer lustig, aber die beiden sind ziemlich humorlos und machen lieber einen auf Gangztaaaa. Ich versuch's trotzdem weiter, die werden schon kapieren, dass ich hier die geilste Schnitte weit und breit bin. Momo from da block....yeah.

Die anderen Kollegen aus der Nachbarschaft rangieren irgendwo zwischen fauler Sack und Serienkiller, sehr stark tagesformabhängig. Ich hab immer gedacht, wir könnten mal zusammen einen drauf machen, aber die Spezies sind doch irgendwie sehr für sich und sehr speziell. Okay, logisch....nicht jeder kommt mit einem echten Star klar, ich versteh das. Nee, wirklich jetzt, ich mein das ernst....i'schwör!

So, jetzt muss ich aber auch los, die Tage werden kürzer, und immer häufiger fällt irgendso'n feuchtes Zeug vom Himmel (neuerdings auch in weiß). Das ist total ätzend, ich weiß nicht, wieso sich die Vierbeiner so'ne Scheiße ausgedacht haben. Ich weiß nur, dass sie Schuld sind. Ganz sicher. So wie an den meisten Dingen, die in dieser Welt irgendwie nicht rund laufen. Cheers.

Freitag, 30. November 2012

Fahr los, Alter... | Der Versuch einer Mobil-Typologie


Ich habe ja lange Zeit nicht an ein Klischee geglaubt. Ich wollte mich den Stereotypen verweigern, ganz ehrlich. Es kann ja nicht sein, dass man bestimmte Charaktere und sogar typischerweise Berufsgruppen einem bestimmten Fahrzeug zuordnen kann. Doch je älter man wird, desto eindeutiger werden die Hinweise. Und mit der Zeit stellt sich sowas wie ein gefühlt-empirischer Beweis ein. Quasi von ganz allein, ohne dass man noch mal an der Klischeesuppe rühren müsste. 

Hier nun das vorläufige Endergebnis, der Versuch einer Typisierung, ohne Gewähr für die Relevanz der Daten. Aus dem Bauch heraus quasi, und wer sich dabei irgendeinen Schuh anziehen möchte....bitte sehr :-) Asiatische Klein(st)wagen, Golf und Astra habe ich (überwiegend) weggelassen, die werden von zu vielen sehr unterschiedlichen (auch was die Vernunft angeht) Leuten genutzt. 

VW Passat (auf der Autobahn)
Choleriker (wie jetzt, das ist kein Beruf?), der mit seinem Firmenwagen unterwegs ist. Ungeduldig, leicht reizbar...Lichthupe und/oder Blinker immer im Anschlag.

VW Passat (mit fremdem Kennzeichen in deiner Stadt)
s.o., nur dass er in der Stadt noch dichter auffährt. Die Tatsache, dass du ihm Rückspiegel die Schweißperlen auf seiner Stirn sehen kannst, interessiert ihn genauso wenig, wie der Umstand, dass seine Klimaanlage quasi eine Standleitung zu deinem Auspuff aufgebaut hat.

VW Passat (mit einheimischen Kennzeichen in deiner Stadt)
Entweder wie oben, aber auch häufig Typ Familienvater. Letzterer nervt vor allem gerne durch 45 fahren, wo 50 erlaubt ist.

Mercedes E-Klasse
Von mittelständischem Unternehmer bis Zahnarzt alles dabei, was einigermaßen Kohle angehäuft hat. Je mehr Kohle, umso größer der Motor. Gemeinsam ist ihnen der Drang, anderen Verkehrsteilnehmer mit wachsender Begeisterung die Vorfahrt zu nehmen. Erlaubt ist, was funktioniert.

Mercedes 190 (alt...)
Rentner...definitiv! Fährt fast überall 30, allerdings auch in der Spielstraße, wo nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt ist...schließlich war er ja auch vorher die ganze Zeit langsam. 

Porsche Cayenne
Zahnarzt, Fußballprofi oder Drogendealer, ist aber wegen der getönten Scheiben meist nicht eindeutig zu erkennen. Bewegt sich aus unerklärlichen Gründen meist sehr viel zurückhaltender im Straßenverkehr, als die Stärke hergeben würde.

Audi A4
Kaufmännischer Angestellter, häufig frustriert wegen fehlender Aufstiegsperspektive, daher sehr aggressiv, sowohl beim Bremsen als auch beim Gas geben. Abstand halten, sehr gefährliche Spezies, besonders, wenn die Kiste tiefer gelegt wurde!

Audi A8 / VW Phaeton
...was interessiert mich die Welt, ich lebe auf meiner Insel und zuckel gleichmäßig durch die Gegend. Ups...schon 50? Der Tempomat regelt das. Geschäftsführer, mindestens....

Toyota Aygo
Kaufmännischer Angestellter (Zweitwagen). Mutti hat heute mal den Audi genommen, und in der Stadt ist ja die Reisschüssel eh viel praktischer. Was nicht heißt, dass er nicht wie der letzte Vollhonk damit durch die Gegend brettern kann. Kann er...

Peugeot 107 / Citroen C1
Kaufmännische Angestellte, die sich über den Trottel kaputtlacht, der den teureren Aygo gekauft hat. Natürlich hat sie vorher gründlich im Web recherchiert und gelernt, dass alle drei Autos aus der gleiche Fabrik laufen. Fährt fast immer sicher und aufmerksam, es sei denn, sie wird durch nen nervigen Begleiter (Audi-Typ, kann er sich aber noch nicht leisten) oder dauerquasselnde Begleiterin(nen) abgelenkt. Dann fällt sie auch schon mal durch plötzliche Lenk- und/oder unmotivierte Bremsmanöver auf.

BMW 3er
Schüler/Azubi. Während der südländische Typ mit an Komik grenzender Coolness (eyh, Alttaa, was geht?!) vorzugsweise zur Disse cruised, ist der nord-europäisch dreinblickende Protagonist (eyh, Alddaa, was gäääähhhddd?!) am liebsten dauerhaft zu schnell unterwegs....und glaubt, das wäre cool. Tragisch ist dabei häufig, dass der Erstere weiß, was Protagonist bedeute, während Letzterer denkt, das hätte was mit einer unangenehmen Untersuchung beim Urologen zu tun.
Oder schaut bei A4 nochmal nach...

BMW 5er
siehe A4....wobei allerdings grundsätzlich (wie bei allen BMW) ständig alle Blinker ausgefallen sein müssen. Wie wären die nicht angezeigten Spurwechsel in der Masse sonst zu erklären?!

BMW7er
siehe A8/Phaeton oder Porsche Cayenne, merkt dann allerdings irgendwann, dass der BMW so dermaßen voller Elektronik ist, dass durch den elektromagnetischen Impuls auch schon mal die Straßenbeleuchtung flackert.

Renault Kangoo / Citroen Berlingo
Bioladenbetreiber, Hundetrainer oder Hausfrau und/oder Mutter. Fährt aus ökologischen Gründen immer und überall fünf bis zehn km/h langsamer als erlaubt. Rückspiegel sind ihm/ihr völlig unbekannt, warum auch, ich zeige ja durch den Blinker an, was ich vorhabe. Das Auto ist meist nach Jahren der Benutzung immer noch in gutem Zustand, da dieser Verkehrsteilnehmer von Haus aus eigentlich Fahrradfahrer ist. Strecken unter fünf Kilometer werden nie mit dem Auto zurückgelegt, leider ist der anthroposophische Kindergarten oder die Waldorfschule auch schon mal ganz schön weit weg vom Szene-Viertel. 

VW Bulli (Transporter)
Besitzer von älteren Fahrzeugen sind alles, vom Pädagogen bis zum Ingenieur. Aber sie bsateln halt gerne. Moderne Transporter befinden sich in der Regel in der Hand von erfolgreichen Kleinunternehmern mit Familie, ist dann jedoch über die Firma geleast, denn eigentlich ist ein neuer Transporter quasi unbezahlbar (es sei denn, man lässt bis auf den Motor alles weg). Als Verkehrsteilnehmer überwiegend entspannt, kann aber jede Art von Mercedes- und BMW-Fahrer nicht leiden. Und schaltet deswegen gerne mal auf stur. Was geht, weil so'ne Schrankwand ganz schön groß sein kann, wenn sie erstmal im Weg steht.

Fiat Panda
Schüler/Azubi/Studenten/junge Angestellte/Zweitwagen für Hausfrauen. Weibliche Eigentümer betrachten ihren Panda als süß, männliche als Müllhalde. Während die Frauen froh sind, ein so praktisches Auto zu fahren, verachten sich junge Männer selbst für ihren Pizzadienstwagen. Manch einer soll es schon mit Selbst-Sabotage versucht haben, leider ist der Panda vermutlich der erste Fiat überhaupt, der quasi unverwüstlich ist. Die Legende erzählt von welchen, die nach Jahren in der Sahara aus einer Sanddüne wieder auftauchten und spontan ansprangen. Na, ich weiß nicht...

Smart ForTwo
Selbstständige Dienstleister, die auf Mobilität angewiesen sind, etwa Hauspflegekräfte, mobile Massagedienste oder Ähnliches. Das geleaste Fahrzeug wird fast immer auch privat genutzt, und der Miniatur-Kult verleitet die Fahrer zu den aberwitzigsten Manövern. Das Querparken in dafür nicht geeigneten Parkbuchten ist nur der Anfang, man kann jeden Tag irgendwo mindestens einen Smart neben einem Fahrradständer auf dem Fußweg sehen, "er nimmt ja soooo wenig Platz weg." Was ja grundsätzlich stimmt, trotzdem darf er nicht auf den Fußweg. Diskussion über solche "Kinkerlitzchen" sind sinnlos.

Mini
Junge Angestellte, ältere Hausfrauen (dann meist Drittwagen). Laut Werbung sind Mini-Fahrer Individualisten, im wahren Leben eher sympathische Spießer mit Geld. Der Mini-Mensch bricht selten Regeln, er steht sogar auf dem Supermarktparkplatz völlig korrekt innerhalb der Markierungen. Die meisten Minis sehen immer aus, wie aus dem Ei gepellt, wahrscheinlich alles Garagenwagen.

VW Eos
Beruflich erfolgreiche Frauen, denn den muss man sich erstmal leisten können. Eigentlich nur ein Kleinwagen, aber eben mit allerlei drum und dran. Und unübersichtlich muss er sein, denn am Straßenrand geparkt, steht er meistens mindestens einen halben Meter von der Bordsteinkante entfernt. Und gerade steht er auch nicht. Fällt im Straßenverkehr nicht auf, sondern eben nur beim Parken....da steht er dann, irgendwie, irgendwo.

Volvo XC60
Unternehmer oder Architekt, Mitte 40 bis Anfang 60. Eher Understatement-Typ, im Straßenverkehr unauffällig und angepasst. Auf dem Parkplatz zeigt sich dann erst, wie groß die Kiste eigentlich wirklich ist. Dann ärgert sich der Besitzer, dass er nicht doch einfach den geil ausgestatteten Mini genommen hat.

Opel Zafira/Meriva, VW Sharan/Touran oder jeder andere Mini-Van
Pädagogen oder Angestellte oder angestellte Pädagogen jeder Art und Gute, aber mit Familie. Denn schließlich gibt es sonst kein Argument, ein so sperriges Teil durch die Gegend zu kutschieren. Fährt unauffällig durch die Gegend, kommt aber an so mancher Ampel nicht in Gang. Meistens dann, wenn ich direkt dahinter bin...


Ich hör jetzt auf, man könnte immer weiter machen. Vermutlich funktioniert sowas auch nur im autoversessenen bzw. -verrückten Deutschland. Oder ich bin einfach irgendwie in letzter Zeit zuviel Auto gefahren, vielleicht sollte ich lieber wieder die Straßenbahn benutzen. Dazu fällt mir dann bestimmt auch erst was auf und danach was ein. Ganz sicher...

P.S.: Bevor einer fragt --- wenn ich fahr, fahr ich Twingo. Unauffällig für die anderen Verkehrsteilnehmer, unerträglich für die Mitreisenden...schließlich muss ich mich ja über die Anderen ordentlich aufregen.




Donnerstag, 12. Juli 2012

Rad ab?

oder - Vielleicht bin ich ja schon wieder nicht nicht Teil der Zielgruppe...

Ich gebe es schonmal profilaktisch zu: Eigentlich bin ich ein OPEL-Fan. Das habe ich von meinem Vater (manche sagen, nicht nur das). In meinem Teenager-Bewusstsein war der Opel Ascona der klassische Prototyp eines Autos. Das erste Auto, das ich selber fahren durfte, war Papis Omega, und den musste man einfach lieben. Und jetzt machen die das....aber fangen wir mal lieber von Vorne an.

Eigentlich fing alles ziemlich gut an. Der deutsche Traditions-Autobauer, der seine Seele schon vor vielen Jahren an einen amerikanischen Chaos-Konzern verkauft hatte, steckte wieder mal knietief im Schlamassel. Das hatte natürlich mit der globalen Finanzkrise, aber auch mit der Existenz am Goodwill-Tropf der Kraken-Mutti zu tun, die eigentlich über Jahrzehnte nichts besseres zu tun hatte, als Know-How abzuzapfen und gleichzeitig immer wieder benötigte Investitions-Millionen zu streichen. Doch OPEL, als Musterbeispiel des industriellen Stehaufmännchens, schüttelte mit dem Insignia ein Fahrzeugdesign aus dem Ärmel, das in den Köpfen offensichtlich funktionierte. Und clevererweise übertrug man wesentliche Design-Elemente auf die kleinere Modellreihe Astra, blieb im Bewusstsein der Autofans und hielt sich über Wasser. Der Corsa lief ja auch noch ganz gut.

Angesichts der allgemeinen Kleinstwagen-Euphorie und den entsprechenden Entwicklungen der Konkurrenz, begann man auch in Rüsselsheim sehr gründlich an einem Konzept für dieses Fahrzeugsegment zu arbeiten. Wirkten die ersten durchgesickerten Design-Versuche noch etwas klobig, kamen mit dem irgendwo aufgeschnappten Namen Allegra (ital.: die Fröhliche) auch ein paar ansehnliche Computerbilder eines schnittigen Zwerges mit den typischen Design-Elementen der größeren Schwestern/Brüder in den medialen Umlauf. Alles wirkte konzeptionell total stimmig, doch irgendwie muss irgendjemand irgendwo sehr unzufrieden gewesen sein.

Unter der Leitung des sehr dynamischen britischen Selbstbräuner-Schnuckelchens Katie arbeitet im Hintergrund ein pan-kulturelles Marketing-Ensemble an der Zerstörung des Hypes. Erste Attacke der Werbe-Guerilla sollte das Wegführen der potentiellen Kunden von dem längst akzeptierten Namen Allegra sein. Fortan lief das Projekt unter dem etwas einfallslosen Namen Junior. Aha, es wird also doch ein Junge unter all den Mädchen.

Da der potentielle Kundenkreis mutmaßlich zu einem Großteil unter den Jüngern von facebook vermute wurde, kam es auch hier zur Aufführung der Vorstellungsorgie. Wer jetzt genau für den Auftritt des infantilen Sprechblasen-Zirkus verantwortlich ist, spielt eigentlich keine Rolle, das Teil hinterließ aber bei Autokäufern über 12 Jahren einen irgendwie merkwürdigen Nachgeschmack im Abgang.

Den Vogel schoss die marktorientierte Krabbelgruppe aber mit der Enthüllung des wahren Namens für das neue Auto ab. Als Riesending bei fb angekündigt, folgte dann (bäm!) mit der Enthüllung des Namens ADAM erst Ernüchterung beim Publikum und dann ein Shitstorm der Auto-Fans. Ob Gründungsvater Adam Opel über ein Modell mit Namen OPEL ADAM  hätte lachen können, lässt sich glücklicherweise nicht mehr feststellen. Feststellen ließ sich aber, dass man in dem semi-debilen Comic die Rechtfertigung gleich mit eingebaut hatte: Adam sei technisch und spritzig (ich fand's eher biblisch), und Allegra sei langweilig und tot (...und deswegen auch in Italien und den USA einer der beliebtesten weiblichen Vornamen --- Mensch, ich dachte ihr habt gegoogelt). Außerdem sei dieses Fahrzeug ja auch total anders...wer wollte das eigentlich?

Wie ich selbst, wird kaum jemand mit dem Namen eines solchen Autos nicht so richtig warm. Die per facebook-Kommentar gelieferte Empfehlung, den Namen doch lieber englisch auszusprechen, wenn er einem auf deutsch zu bieder klingt, wirkt dabei genauso hilflos wie das gebetsmühlenartige Wiederholen des Statements, dass ADAM anders sei. Ist er nicht, es gibt ähnliche Konzepte bereits von anderen Herstellern.

Konsequenterweise zog OPEL mit dem Namen auch noch eine Design-Änderung durch, die dem Zwischenentwurf mit dem markanten Knick auch noch die Konturen nahm und das ganze Modell irgendwie verniedlichte. Dummerweise dürfen Sechsjährige kein Auto fahren, es sei denn, es passt in eine Streichholzschachtel.

Was derweil im Marketing-Spielkreis bei den Mädels und Jungs vom ADAM-Projekt abgeht wird nicht von einem Comic belegt. Aber eins sag ich dir, OPEL: Halte dir den Christoph warm, der hatte gleich Widerworte und berechtigte Zweifel. Und erinnere dich, dass du Autos baust....das mit den Nähmaschinen ist wirklich lange vorbei.

Zwanghaftes Anders-Sein war noch nie wirklich authentisch, Coolness erwächst aus Glaubwürdigkeit. Ist so. Oder ich hab's vielleicht wieder nicht richtig verstanden.

Freitag, 29. Juni 2012

Stereotype Stereo-Typen

oder die unerträgliche Leichtigkeit des Scheins


Der Donnerstag brachte etwas auf meinen Bildschirm, das irritierend auf mich wirkte. Nein, ich meine nicht das EM-Halbfinal-Aus der deutschen Mannschaft gegen Italien. Das war ja nach dem überheblichen Medien-Hype der letzten Wochen - die BLÖD-Zeitung an vorderster "Front" maßgeblich beteiligt - irgendwie zu befürchten. Was ich meine, ist ein Video (All Work and All Play), dass IBM Social Business Deutschland bei facebook geteilt hat. Es geht um die sogenannten Millennials (auch Generation Y genannt), also die Generation, die im Jahr 2010 zwischen 20 und 30 Jahre alt war. Meine Irritation versuche ich mal zu erklären...

All work and all play from Box1824 on Vimeo.

Generation X war ich eigentlich schon nicht mehr, die emotionsbefreiten Yuppies waren älter und mir ein Gräuel. Generation Y gab es noch nicht. Ich war vielleicht Generation XY (ungelöst), gefangen zwischen den Welten. Okay, schon gut...Drama-Modus = aus.

Anfang der 90er tauchten AIESEC-Mitglieder bei uns im geisteswissenschaftlichen Trakt der Uni auf. Die erklärten uns, warum wir Geisteswissenschaftler die idealen Management- und Consulting-Typen der Zukunft werden. Man billigte uns fachübergreifend Attribute zu, die angeblich für die zu der Zeit absehbare Entwicklung in fast allen Wirtschaftsunternehmen ein den folgenden Jahren eine Rolle spielen sollten. Es ging dabei um Kommunikations- und Konzeptionskompetenzen jenseits abstrakter Wirtschaftslehre. Der streng betriebswirtschaftlich orientierte "Formelcharakter" würde durch eine gute Mischung aus BWL-Profis, Juristen und kommunikationsstarken Geisteswissenschaftlern aus den Planungsetagen "gewaschen". Warum ausgerechnet AIESEC uns diese Täuschung ins Gebäude stellte, ist mir bis heute nicht klar. Die kommunikationsstarken Geisteswissenschaftler finden sich jedenfalls nicht in dem prognostizierten Triumvirat.

Heutzutage überlässt man die Prognose den Profis. Das angesprochene Video wurde auf Basis mehrerer Studien der brasilianischen Trendforscher von Box1824 zusammengestellt. Der einführende Text sagt zwar, dass es sich um ein nicht kommerzielles Projekt handelt, doch Box1824 arbeitet bei der Trend- und Innovationsforschung überwiegend natürlich schon für Marken und Produkte, um deren Akzeptanz in jeweiligen Märkten und Zielgruppen anhand sozialrelevanter Kriterien herauszufiltern. Insofern verwundert es vermutlich niemanden, dass hier eine stereotype Charakterisierung der Millennials stattfindet. Es stimmt mich allerdings nachdenklich, dass der Schein erweckt wird, es würde sich um ein Massenphänomen handeln und nicht bloß um eine konsumrelevante Bildungselite. Da muss man schon sehr genau zuhören, um das in dieser Darstellung zu entdecken.

Was man sich demnach als Prototyp des Millennials vorstellt, ist beispielsweise der Cargohose tragende Mittzwanziger, der mit MacBook, Skateboard und DJ-Kopfhörer bewaffnet während des zweiten Kurzfrühstücks online eine Projektplanung mit Partnern in aller Welt durchzieht. Jeder der Partner ist ein kleiner Zuckerberg, auch die Frauen, und wegen des ausserordentlichen Erfolgs des Online Business, dass auch jeder einzelne betreibt, ist die semi-infantile Freizeitgestaltung zum Ausgleich aufwendig, risikoreich und spaßorientiert. Das Klischee erfreut sich bester Gesundheit. Und die Marketing-Abteilungen der Konzerne können ihr Budget öffnen und bei den Trendspezialisten den Zuschnitt ihres Produktes auf diese Zielgruppe durchspielen lassen. Die Generation Chips schaut derweil buchstäblich in die Röhre. Aber die könnten sich die relevanten Produkte eh nicht mehr leisten. Der potentiellen Zielgruppe indes wünsche ich,  dass sie dann auch tatsächlich und kaufkräftig existiert und die Prognose wirklich zutrifft. Und nicht von den klassischen Wirtschaftsunternehmen in ein Einzel- oder Nischendasein gezwungen wird.

Bei all der Ironie möchte ich aber nicht unerwähnt lassen, dass das Video typische Charakteristika soziokultureller Entwicklungen der letzten Jahrzehnte durchaus treffend skizziert. Nur eben nicht vollständig, sondern selektiv. Aber das ist auch interessant.

Und, ja - es hat mich sehr wohl irritiert, was Jogi Löw da am Donnerstagabend auf den Platz gestellt hat. Kann ich ruhig zugeben - ich hatte gleich ein schlechtes Gefühl.

Dienstag, 12. Juni 2012

Kampfradler vs. Krampfadler

oder auch "Die Überschreitung der Grenzen des politisch Korrekten"


Der Ramsauer Peter hatte wieder mal zugeschlagen. Unvermittelt und aus der Hüfte lieferte er die Steilvorlage für die Mutter aller Stammtischgespräche - Kraftfahrzeug vs. Radkraftzeugs.

Inhaltlich war der Ausraster des Ministers natürlich im Prinzip völlig wertlos, denn wie unter Autofahrern, Rauchern und Kinobesuchern gibt es auch unter Radfahrern asoziale Idioten, die sich einfach nicht an ein paar Regeln halten möchten - Egozentriker, die ihr narzistisches Gedankengut hegen und pflegen. Bemerkenswert war die Tatsache, dass sich hier ein - zugegebenermaßen gelegentlich streitbarer - Bundesminister öffentlich in den Bereich der verbalen Inkontinenz vorwagte. Und dafür gleichermaßen Spott und Beifall erntete. Das politisch Korrekte ist einfach zu langweilig geworden.

Ob kalkuliert oder nicht, Ramsauers verbale Entgleisung spiegelt im Prinzip die Real- Kommunikation 2.0 wieder, die dank moderner Medien schneller und verbreiteter stattfindet als jemals zuvor. Die traditionellen Medien haben (im klassisch humanistisch-deutschen, pseudo-journalistischem Marketing-Sinn korrekten Ansatz) seinen eher niveaulosen Vorstoß als Anlaß zur Diskussion über die tatsächliche Relevanz von Fahrrad-Aggros und die gesellschaftliche Dimension der Angelegenheit genommen und bei diversen Möchtegern-Jauchs im Beisein von selbst-ausgewiesenen Experten ausgeschlachtet. Hätte der umtriebige Verkehrs-Peter allerdings bei facebook derart vom Leder gezogen, wäre er vermutlich als Troll gelabelt worden. Die werden in der virtuellen Partybox ja meistens ausgegrenzt, ohne dass sie das jemals mitbekämen. Das ist ja das Schöne, man muss sich dort nicht zu seinen Abneigungen bekennen.

Einige der Trolle haben übrigens ohnehin einen neuen Spielkreis gefunden. Die Piratenpartei musste einige von ihnen aufnehmen, die seither den intellektuell kreativer ausgestatteten Parteifreunden virtuell ans Bein pissen. Den Fehler im System hat sich der Politikverein der Web-Affinen allerdings selbst zuzuschreiben. Die offensiv ausgegebene "Wir-nehmen-jeden" Ansage haben auch die Hafensänger und Klugschnacker verstanden, die mit politischen Programmen und grundsätzlichen Idealen sonst überfordert sind. Sorgen machen müssen wir uns um die Piraten indes nicht, denn sie werden zu ihrer Programmatik finden und Linien entwickeln, die die Trolle im Lauf der Zeit überfordern.

Währenddessen kreist der deutsche Reglementierungs-Adler über der Szenerie und versucht, die Lage irgendwie durch noch mehr Ordnung und Komplexität in den Griff zu bekommen. Die Chancen dazu sind glücklicherweise langfristig schlecht.

Dienstag, 15. November 2011

Aromamonster & Killermaschinen

Sie kamen schleichend. Irgendwann waren sie einfach da, erst leicht versteckt in irgendwelchen Ecken, doch dann immer zahlreicher an prominenten Plätzen in den Eingangsbereichen der großen Discounter. Heute sind sie allgegenwärtig im großen R, im großen A und großen L. Sich zu wehren war sinnlos, wir wurden einfach überrannt. Haben wir es eigentlich wirklich gemerkt, was da vor sich ging? Jetzt haben wir den Schlamassel...

Der Angriff kam plötzlich, aber irgendwie erwartet. Man sollte eigentlich bei jedem Wocheneinkauf darauf vorbereitet sein, aber man vergisst ja so schnell. Der Aromastrom aus der kreisrunden Öffnung, die da vor mir auf Gesichtshöhe platziert ist, hat ungefähr den Charakter von Bahnhofsklo plus Hefegegorenem. Den Würgreflex kann ich nur mühsam unterdrücken, aber ich muss weitermachen. Ich versuche, mich in einem veränderten Winkel vor dem Getränkepfandautomaten zu platzieren, aber irgendwie weiß das Miststück, wo ich mich gerade befinde. Da ist es ja einfacher, auf der Wii irgendwelchen schwer untersetzten Ninja-Zwergen auszuweichen.

Am zweiten Automatenmonster neben mir hat sich ein irgendwie nach dauerhaft schwerem Alkoholkonsum aussehender Mittfünfziger mit zwei großen 120-Liter-Müllsäcken positioniert und wirft stoisch eine Plastikbombe nach der anderen ein. Die Herde im Hintergund wird langsam unruhig. Ich lasse mir meine unangebrachte Verachtung nicht anmerken... glaube ich.

Meine aufbrandende schlechte Laune wird befeuert durch die Meldung "Behälter nicht akzeptiert", vermutlich weil das Lesesymbol durch einen einzelnen Regentropfen für den Scanner einfach zu stark entstellt ist. Genervt schiebe ich den leeren Plastikbehälter immer und immer wieder in den Schlund des Mutanten, der mir das Teil beim dritten Versuch mit Nachdruck trotzig vor die Füße spuckt. Bitte, lass es keine emotionale Reaktion einer Maschine gewesen sein. Ich erinnere mich plötzlich an Stephen Kings "Christine", und mir läuft es eiskalt den Rücken herunter. Der fünfte Einwurfversuch ist erfolgreich.

Schnell noch die Wasserkiste in den großen Kasteneinschub unten gestellt, doch weil irgendein Spezi die Wasserflasche Nr. 11 nicht staubtrocken getrunken hat, beschwert sich der Automat mit höchst peinlichen Piepen bei mir. Mensch, das weiß doch jeder, das man auf keinen Fall die Menge eines Esslöffels in einer Wasserflasche lassen darf. Ich sehe mich kurz um, und weil ich merke, dass der Mann an der Kasse mich auf allerhöchstem Niveau ignoriert, verpasse ich der Kiste einen leichten Tritt. Das Band zieht die Kiste ein, der Scanner scannt, die Anzeige blinkt, auf Knopfdruck wird der Pfandbon ausgedruckt. Der Automat quittiert wie üblich aus unbekannten Gründen im Anschluss den Dienst. Die Wasserkiste fehlt in der Übersicht.

Der Kerl an der Kasse ist definitiv mit dem falschen Fuß aufgestanden. Meine höchst freundlich vorgetragene Beschwerde wird mit einem muffeligen "ich weiß ja jetzt gar nicht, ob sie da wirklich eine Kiste drin hatten, gesehen habe ich das nicht" quittiert. Bevor mein ohnehin zu hoher Blutdruck die Angelegenheit in die Abteilung "Föhnfrisur in Jumbo-Jet-Lautstärke" verlegt, deute ich mit dem Finger auf der Schlange der Leidenden, die die ganze Zeit hinter mir gestanden haben. "Aber die haben das gesehen". Die Kasse liegt übrigens dem Pfandautomaten in einer Entfernung von etwa 3,36m gegenüber, und man muss schon sehr kurzsichtig sein, um einen Zwei-Zentner-Kerl mit einem Haufen Leergut im Gepäck gar nicht zu sehen. Ausserdem hätte mein diskutierfreudiger Kassen-Spezi schnell nachschauen sollen, vermutlich hätte er ohne Hilfe der Spurensicherung den Abdruck meiner Sohle auf der Kiste noch identifizieren können. Aber das nur am Rande. Die manuelle Eingabe von EUR 3,60 erfolgt widerwillig, aber sie erfolgt.

Das Einlösen des Pfandbons vergesse ich beim Bezahlen im angeschlossen Supermarkbereich des gleichen Unternehmens und werde in der Folgewoche darüber aufgeklärt, dass man Getränkepfand auch nur im Getränkemarktbereich des Ladens einlösen kann. Das allerdings sehr freundlich, ich will ja hier niemandem Unrecht tun.

Ich behaupte nicht, dass die manuelle Leergutannahme in der 80ern freundlicher erfolgt wäre. Die vermutlich schon seinerzeit ziemlich unterbezahlten Aushilfskräfte hatten in ihren stinkigen Lagerbereichen auch nicht gerade die Dienstleistungsrhetorik erfunden, aber man war bereit, ihnen das auf Grund der Umstände zu verzeihen. Und die Annahme lief definitiv schneller, die entsprechenden Mitarbeiter entwickelten sich zu regelrechten Leergut-Olympioniken, wenn sie tatsächlich einige Wochen in der Abteilung ausgehalten hatten.

Das die Meister des Wegsortierens dann durch Maschinen ersetzt wurden, die vermutlich schon in den Anschaffungskosten vier bis acht Jahresgehälter einer Aushilfskraft auffraßen, war irgendwie nicht so wirklich verständlich. Zumal die Geräte ja alle zwei bis drei Stunden eine Vollmacke entwickeln und deswegen von zwei anwesenden Automaten meistens einer kaputt ist. Okay, das kann man natürlich bei der Bahn auch erleben.

In einer weitaus größeren Filiale der gleichen Supermarktkette erlebe ich dann den totalen Nonsens der Automatisierung. Insgesamt sind vier Geräte völlig chaotisch im Eingangsbereich des Marktes aufgestellt, aber anders als da, wo ich mich gewöhnlich meines Leerguts entledige, können hier die Geräte nur bestimmte Leerguttypen lesen. So habe ich am Ende der Nummer drei verschiedene Pfandbons in der Tasche. Die habe ich dann aber auch nicht vergessen, an der Kasse zur Abrechnung vorzulegen.

Zu guter Letzt möchte ich noch passend zum Thema die Frage meines Kumpels Jens von vor zwanzig Jahren beantworten, der im allerseits schon leicht angetrunkenen Zustand zur Diskussion stellte, ob Leergut nicht eigentlich Leerschlecht heißen müsste. Schließlich wissen wir spätestens seit Giovanni Trapattoni, dass Flasche leer nicht gut ist.
Jens, du hattest Recht. Ich habe fertig.